Wenn ich durch meine Stadt laufe, fällt mir immer wieder auf, wie viele Hindernisse sich auf den Gehwegen auftürmen. Mülltonnen, ausgeklappte Werbetafeln, wild geparkte Roller – und ja, auch mal ein ausuferndes Blumenbeet. Als begeisterter Spaziergänger und Hobby-Stadtforscher habe ich mich gefragt: War das schon immer so? Die Antwort ist überraschend: Gehwege waren noch nie einfach nur „freie Bahn“. Seit es Bürgersteige gibt, gab es auch Streit um sie. Bereits im Mittelalter stellten Händler ihre Waren direkt vor die Häuser – und die wenigen schmalen Gänge für Fußgänger waren oft von Abfällen oder Verkaufsbuden versperrt. Erst mit der Industrialisierung entstanden richtige Gehwege, aber auch sie wurden schnell zweckentfremdet. Heute kämpfen wir mit ganz neuen Blockaden: E‑Scooter, die kreuz und quer abgestellt werden, oder Außengastronomie, die den ganzen Bürgersteig vereinnimmt. Dabei geht es nicht nur um Bequemlichkeit – für Menschen mit Kinderwagen, Rollstuhl oder Gehhilfe sind diese Hindernisse echte Barrieren.
Ich habe mich auf die Suche nach Lösungen gemacht und bin dabei auf eine Seite gestoßen, die sich genau mit diesem Thema beschäftigt: www.gehwege-frei.com – dort gibt es praktische Tipps und Übersichten, wie man sich für freie Gehwege einsetzen kann, ohne gleich zum Anwalt zu rennen. Die Seite hat mir geholfen, die örtlichen Regeln besser zu verstehen und zu erkennen, wo ich selbst aktiv werden kann. Aber bevor ich dazu komme, möchte ich noch tiefer in die Geschichte eintauchen – denn wer die Vergangenheit kennt, versteht die Gegenwart besser.
Wie die ersten Gehwege entstanden (und sofort wieder zugeparkt wurden)
Die ersten richtigen Bürgersteige in Europa entstanden im 18. Jahrhundert in Paris und London. Sie sollten die Fußgänger vor dem schlammigen Straßendreck und den vorbeifahrenden Kutschen schützen. Doch kaum waren sie angelegt, stellten Anwohner ihre Stühle, Holzkisten oder Handelswaren darauf ab. Die Obrigkeit erließ später Verordnungen, die eine bestimmte Breite freihalten sollten – mit mäßigem Erfolg. In deutschen Städten wurde das Problem erst im späten 19. Jahrhundert ernsthaft angegangen, als die Polizeiverordnungen Mindestbreiten für Gehwege festlegten. Trotzdem blieb der Alltagskampf: Ein Blick in alte Zeitungsanzeigen zeigt, dass sich Bürger bereits vor 1900 über „gehwegbehindernde Treppenvorbauten“ und „unzulässige Aushänge“ beschwerten. Es ist also ein uraltes Ärgernis, das jede Generation aufs Neue beschäftigt.
Die wilden 1970er: Bürgersteigkultur und die ersten Gegenbewegungen
In den 1970er Jahren änderte sich die Nutzung der Gehwege grundlegend. Die aufkommende Fußgängerzone war einerseits eine Befreiung, andererseits entstanden neue Konflikte. Straßencafés, Straßenmusik und spontane Märkte eroberten den öffentlichen Raum – und machten ihn lebendig, aber auch eng. Gleichzeitig begannen Behindertenverbände, auf die Missstände hinzuweisen: Bordsteine, die zu hoch waren, Bäume, die im Weg standen, und Autos, die auf Gehwegen parkten. Aus dieser Zeit stammen die ersten systematischen Erhebungen zur Barrierefreiheit. Ich habe alte Protokolle von Bürgerinitiativen gelesen, in denen akribisch aufgelistet wurde, welche Laternenpfähle wie viel Platz wegnahmen. Das Engagement war riesig, aber die Durchsetzung blieb oft schwierig.
Moderne Hindernisse: E‑Scooter, Lieferdienste und die neue Gedankenlosigkeit
Heute sind es vor allem die Sharing-Angebote, die die Gehwege verstopfen. E‑Scooter werden oft einfach fallengelassen, Lieferfahrzeuge blockieren kurzerhand komplette Abschnitte, und manche Gastronomen stellen ihre Tische ohne Rücksicht auf die Restbreite auf. Dazu kommen private Anwohner: Blumenkästen, die auf den Bürgersteig ragen, oder Hecken, die nicht zurückgeschnitten werden. Viele dieser Hindernisse sind nicht böswillig, sondern einfach das Ergebnis von Gedankenlosigkeit. Als Hobbybeobachter habe ich angefangen, eine Liste zu führen: In meiner Umgebung habe ich innerhalb eines Monats 27 verschiedene Blockadearten gezählt. Die häufigste war der querstehende E‑Scooter, dicht gefolgt von zu weit ausladenden Mülltonnen. Es ist erstaunlich, wie schnell wir uns an solche Zustände gewöhnen – und wie wenig wir wissen, welche Rechte wir eigentlich haben.
Was jeder von uns tun kann – ohne zum Ordnungsamt laufen zu müssen
Die gute Nachricht: Man muss nicht gleich einen Rechtsstreit vom Zaun brechen. Oft reicht ein freundliches Gespräch mit dem Nachbarn oder dem Ladenbesitzer. Viele sind sich gar nicht bewusst, dass ihr Blumenkasten oder ihre Werbetafel den Weg versperren. Hilfreich ist auch, die lokalen Vorschriften zu kennen: In den meisten Städten gibt es eine Gehwegsatzung, die Mindestbreiten und Verbote festlegt. Wer sich unsicher ist, kann sich an Bürgervereine oder Behindertenbeauftragte wenden. Eine weitere Möglichkeit ist, selbst aktiv zu dokumentieren – Fotos mit Datum und Ort können später helfen, wenn es hart auf hart kommt. Vielleicht ist es sogar an der Zeit, in der eigenen Nachbarschaft eine kleine Arbeitsgruppe zu gründen, die regelmäßig die Gehwege checkt und Verbesserungen vorschlägt. Denn am Ende geht es darum, dass die Stadt für alle begehbar bleibt – nicht nur für die, die schnell zu Fuß unterwegs sind.
- Unterstütze lokale Initiativen, die sich für Barrierefreiheit einsetzen – oft sind das kleine Gruppen, die viel erreichen.
- Melde hartnäckige Hindernisse der Stadtverwaltung – viele Kommunen haben inzwischen Online-Formulare dafür.
- Teile dein Wissen mit Freunden und Familie, denn je mehr Menschen Bescheid wissen, desto eher ändert sich etwas.
- Nimm an Begehungen teil, die von Behindertenverbänden organisiert werden – das öffnet die Augen für unsichtbare Barrieren.
- Setze dich selbst ein Vorbild: Stelle deine eigenen Sachen nicht auf den Gehweg und achte darauf, wo du deinen E‑Scooter abstellst.